Die Hängebrücke in Malapane (heute Ozimek) in Oberschlesien, im Oppelner Land, über dem gleichnamigen Fluss Malapane, ist die älteste Eisenhängebrücke Europas. Hergestellt wurde sie in der örtlichen Hütte "Malapane", heute "Ozimek".
Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts waren auf dem heutigen Stadtgebiet dichte Wälder. Die Gegend war reich am Raseneisenstein und nur dadurch wurde sie auch für den König von Preußen, Friedrich II., attraktiv. Auf seinen Erlass wurden schon im Jahre 1753 zwei Hochöfen erbaut. Es war die erste staatliche preußische Eisenhütte in Oberschlesien - das Eisenhüttenwerk Malapane. Die Hüttenwerke wurden an der Stelle einer Wassermühle am Fluss Malapane errichtet. Dadurch entstammt der Name der Werke und des Ortes. Der heutige polnische Name Ozimek war der Name des Eigentümers der alten Mühle.
Anfangs waren die Werke nur für die militärische Produktion eingerichtet und erst ende des 18. Jahrhunderts, als die Nachfrage für militärische Produkte nicht mehr so groß war, wurde mit der Produktion für verschiedene Zweige der Industrie, auch für die Landwirtschaft, begonnen. 1786 wurde mit der Stahlproduktion angefangen und im Jahre 1789 verwendete man das erste Mal auf dem europäischen Kontinent Koks zum Schmelzen von Roheisen. Die Hütte wurde dadurch in ganz Europa zu den führenden Werken mit diesem Verfahren. Ab 1791 fing man mit der Produktion von Dampfmaschinen an, die früher nur in England hergestellt wurden.
Die erste Brücke, die aus eisernen Elementen zusammengebaut wurde, wurde in der Malapane-Hütte schon 1795 gegossen. Die Brücke war vorgesehen für die Ortschaft Laasan in Niederschlesien über das Striegauer Wasser. An der Planung, dem Gussverfahren und dem Bau war John Baildon beteilgt. Es war die erste und älteste gusseiserne Brücke im Deutschen Reich und gleichzeitig auf dem europäischen Kontinent. Sie ist nicht mehr erhalten.

Am 12 September 1827 wurde die Brücke in Malapane über den Fluss Malapane fertig gestellt. Ein außergewöhnliches Werk, ein Zeugnis der damaligen Gießkunst und Bahn brechender Ingenieurkunst. Es war eine Pionierleistung bei der Umsetzung und Lösung der technischen Probleme, die den bisherigen Errungenschaften auf dem Gebiet vorausging.
Karl Schottelius, der königliche Hüttenmeister, der bis dahin an der Entwicklung und der Arbeit in der Königshütte gearbeitet hatte, wurde Hauptkonstrukteur, Projektant (Gestalter) und Ausführender.
An Flussufern wurden gemauerte Brückenköpfe gebaut, auf welchen je zwei feine aus Stahl gegossene Säulen aufgestellt wurden. Die mit Schrauben verbundenen eisernen Platten bildeten Pyramiden mit abgeschnittener Spitze. Die beiden Pyramiden waren wiederum mit feinen Balken verbunden. Auf diese Weise entstanden an beiden Flussufern zwei aus Gusseisen gefertigte und zusammen geschraubte Portale. Zwischen den beiden Portalen wurden - jeweils vier auf jeder Seite - eiserne Ketten aufgespannt. Die Ketten durchdrangen die Säulen an den Spitzen und wurden im Boden verankert.
Die Kette bestand aus geschiedenen eisernen Zellen, die zusätzlich mit Bolzen verbunden waren. Die Brückenöffnung wurde an einzelnen Gestängen aufgehangen. Die Fahrbahn bestand aus hölzernen Balken (Bohlen).
Für den Bau der Brücke verbrauchte man 57 Tonen Gusseisen und 14 Tonen Stahl. Die Ausmaße betragen 31,5 Meter Länge und 6,6 Meter Breite. Die Tragfähigkeit der Brücke war mit 3 Tonen berechnet. Wie man später feststellte, trug sie fünfmal so viel. Das ganze Vorhaben kostete 4.200 Talar.
Es war die erste Hängebrücke dieser Art in ganz Europa.
Das Meisterstück schlesischer Ingenieure und Gießer aus Gleiwitz und Malapane ist heute ein erstklassiges Denkmal von hoher Bedeutung. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war die Brücke eine technische Weltmeisterleistung.
Eine feierliche Eröffnungszeremonie vollbrachten der Oberinspektor der Hüttenwerke, Hüttenleiter Freitag, Maschineninspektor Schottelius, welcher Projektant und Erbauer der Brücke war, sowie der Rechtsberater Johann Friedrich Julian von Reil, ein Vertreter des Oberamtes für Bergbauwesen in Breslau. Ihm wurde es auch zu Teil, die Brücke in einer Kuschte als erster zu passieren.
Die Konstruktion überstand die große Flut von 1830, als nämlich der Damm am des Flusses Malapane vollständig brach. Im Jahre 1854 wurden die Fundamente der Brücke verbessert und die ganze Konstruktion verstärkt.
Im Januar 1945 versuchte ein russischer Panzer die Brücke zu passieren und beschädigte dabei die Verankerung einer der Säule. Nach dem Krieg wurde die Brücke außer Dienst gestellt und wird heute nur als Brücke auf dem Hüttengelände genutzt.

Pionierlösungen die beim Bau der Brücke vom Meister Schottelius verwendet worden waren, wurden 1897 von Karl von Leibrand beim Bau einer Kabelhängebrücke über den Fluss Argen am Bodensee weiterentwickelt. Ein Schweizer Student des Ingenieurwesens, der sich für den Bau sehr interessierte, nutzte nach seiner Ausreise in die USA seine Erfahrungen als Helfer und Berater des Konstrukteurs Joseph Strauss beim Bau der größten Kabelhängebrücke der Welt, der "Golden Gate Bridge" in San Francisco (!). Eine Bahn brechende Ingenieurkunst von Meister Schottelius vom Anfang 19. Jahrhunderts kam einhundert Jahre später in Amerika zum Einsatz.
Die Brücke die in den Malapane-Hüttenwerken produziert worden war, war eine von vielen modernen Produkten, die in diesem Werk gefertigt wurden. Dadurch wurde das Werk zum einen der besten in Europa. Die Brücke selbst ist eines der wenigen Zeugnisse der damaligen Ingenieur- und Gießkunst, die bis heute überdauerten.
Jarek Cieplak